Bildende Kunst

Kunst am Albert-Schweitzer-Gymnasium

Lee Friedlander. Kalkulierter Zufall. Selbstportrait des Fotografen im Schaufenster. New York. 1968.

Bilder muss man berühren können. Im Kunstunterricht am Albert-Schweitzer-Gymnasium wird deshalb gemalt – mit Pinsel, Tusche und Farbpigmenten; wir zeichnen mit Bleistift und Kohle, wir collagieren, modellieren mit Ton, fertigen aus alltäglichen Fundstücken Objektkunst und bauen Architekturmodelle: Wir machen Kunst zum Anfassen.
Unser neuer Computerraum mit den 10 Filmschneideplätzen und die neuen Fotoapparate und Filmkameras werden daran wenig ändern. Wir tragen aber der Bedeutung der neuen Medien über die Grenzen von Kunst hinaus Rechnung. Unsere visuelle Umwelt insgesamt ist unser Thema.
Den Umgang mit den digitalen Medien ergänzen wir durch einen weitgespannten kulturwissenschaftlichen Reflexionsrahmen, der sich am Lebenswerk des aus Hamburg stammenden Kunstwissenschaftlers Aby Warburg (1866 – 1929) orientiert.
Als unorthodoxer Gegner jeglicher Grenzziehung trennte Warburg nicht zwischen der hohen und der angewandten Kunst. Den visuellen Formenschatz antiker Pathosgebärden – für ihn „Urworte menschlicher Leidenschaft“ – verfolgte er bis in die Gegenwart.

Rom, Platz vor dem Petersdom mit Touristen. Schülerfoto; 2. Semester Frühjahr 2011

Das abgeschwächte Formecho antiker Bildschöpfungen und die aus seiner Sicht in ihnen bewältigte Angst vor einer übermächtigen Natur entdeckte er auch auf den populären Bildmedien seiner Zeit: auf Briefmarken, Plakaten, in Werbelogos und in den illustrierten Zeitungen. Sein Schüler, der erst in Hamburg lehrende und 1933 nach Amerika emigrierte Princeton-Professor Erwin Panofski, schrieb sogar über den Rolls-Royce-Kühlergrill (und die obendrüber platzierte Abwandlung einer berühmten antiken Statue).
Welche Bilder aus dem medialen Überangebot bleiben im kollektiven Gedächtnis haften – und warum? Welche Beziehung haben Bilder zur Wirklichkeit und wie prägen sie unser Denken? Die interdisziplinäre Bearbeitung der Frage nach der Macht (und Ohnmacht) der Bilder verbindet uns heute mit Aby Warburg.

Das Bild als sprechendes Tugendvorbild: Der Sohn vor dem Portrait des Vaters: „Virtutem ex me“ (“Aus mir erwächst die Tugend“). Pedro Perret. 1622

Kunstwerke verstand Warburg als „Denkraum der Besonnenheit“, als ein Medium der zunehmend rationalen Bewältigung einer ursprünglich primitiven Dämonenfurcht.
Auch Fotos können als Trophäe dienen. Inzwischen werden sogar Revolutionen und Kriege stellvertretend über massenmedial verbreitete Bilder beeinflusst – wenn nicht gar ausgefochten. Ein Rest unbewältigter Bildmagie spielt auch hierbei immer noch eine gewisse Rolle.
Um die Funktion von Kunst im kulturellen Austausch, als Medium kollektiver Selbstverständigung oder der sozialen Ausgrenzung geht es auch in der Kunst-Geschichte-Sprache-Profilkombination „Wir und die Andern“ („Nous et les autres“).
Kreativitätsförderung verlangt vor allem Stärkung der Eigeninitiative. Wir ermutigen daher unsere Schüler, im Rahmen eines Wettbewerbs auch außerhalb des Unterrichts entstandene eigene Arbeiten schulöffentlich – das heißt in den Räumen, auf der Homepage oder im Jahrbuch – zu präsentieren.

Arno Strutz, Fachleitung Kunst