Geschichtswettbewerbe

Anne, Lynn, Hans Hummel und die Zitronenjette

Zwei unserer Schülerinnen haben in diesem Jahr einen Förderpreis im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erhalten.
Fast hätten Anne Kriens (Jg. 11 / bald 12, Profil Musik in Zeit und Szene) und Lynn Hartfil (Klasse 7a / bald 8a) zusammenarbeiten können, denn beide Forschungsarbeiten befassten sich mit sogenannten „Hamburger Originalen“.
Diese Menschen des 18. und 19. und 20. Jahrhunderts waren Leute, die schon ihren Zeitgenossen auffielen. Sie wurden oft geneckt und für lustig befunden. Anne und Lynn haben beide erforscht, was dahinter steckt. Lynn hat sich mit Hans Hummel, oder auch Hummel Hummel befasst, der eigentlich Johann Wilhelm Bentz hieß. Er hatte im Leben nie Glück und musste sein karges Einkommen mit Wassertragen erwerben. Als die Hamburger Wasserleitungen eingeführt wurden, kam er ins Armenhaus, wo er starb. Lynn erforschte seine Geschichte und wie heute mit den Abbildern des armen Wasserträgers noch immer Gewinn gemacht wird.
Die Zitronenjette verkaufte Zeit ihres Lebens in Kneipen und auf Straßen ihre gelben Südfrüchte. Anne fand heraus, dass sie ein hartes Schicksal hatte: Uneheliches Kind, kleinwüchsig und lernbehindert war Henriette Johanne Marie Müller. Weil die Zeitgenossen, um sich über sie lustig zu machen, sie oft betrunken machten, wurde sie zur Alkoholikerin und starb in einer Anstalt.
Anne erforschte die Bedingungen, die sie zur Außenseiterin gemacht haben.
Zwei sehr intensive Arbeiten, zu denen man den Autorinnen gratulieren muss.

Bilder:
Zitronenjette von: www.zvab.de
„Hanshummel30504“ von Anneke Wolf aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hanshummel30504.JPG#/media/File:Hanshummel30504.JPG

Geschichtswettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung 2012

Die Klasse 10b mit Frau Jessen gewinnt 150 Euro beim Geschichtswettbewerb

Es ist schon längst eine Tradition am ASG an Schülerwettbewerben teilzunehmen, denn so arbeiten unsere Schüler/-innen nicht nur projektorientiert, sondern auch hochmotiviert.

Die Klasse 10b und Frau Jessen haben sich in diesem Schuljahr am Geschichtswettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung für das Oberthema „War das wirklich so?“ entschieden, in dem es darum ging ein Beispiel für eine fehlerhafte Überlieferung eines historischen Ereignisses genauer zu untersuchen.

Die Klasse entschied sich für die Studentenrevolution von 1968 und das Banner „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“, das Gert Hinnerk Behlmer am 9. November 1967 in der Hamburger Universität entrollte und damit einen Eklat verursachte, der bundesweit Wellen schlug. Und da liegt auch schon der Irrtum: Es geschah im Jahre 1967 und nicht 1968. Aber hören Sie selbst, was die 10b durch sorgfältige Recherche und einem Interview mit Herrn Behlmer persönlich herausgefunden haben.

Das Hörspiel in 4 Teilen zum Anhören

Download Teil 1 (3 MB)

Download Teil 2 (4 MB)

Download Teil 3 (4 MB)

Download Teil 4 (4 MB)

In diesem Projekt ging es außerdem darum im Team zu arbeiten, unsere Arbeit zu koordinieren, Fristen einzuhalten, eine genaue Bibliographie zu erstellen und über unsere Zusammenarbeit zu reflektieren. …und ganz nebenbei hatten wir auch noch Freude an der Arbeit mit der Geschichte!
Das hat auch die Jury erkannt und uns aus 2.500 Teilnehmenden Klassen ausgewählt.

Kirsten Jessen


Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Swantje, Ruben, Hr. Kuhlbrodt

Ein Skandal, der nie ein Skandal wurde. Der Tod der Kinder von Alsterdorf.

Swantje Herrche und Ruben Ullrich aus dem Profil Musik in Zeit und Szene gewannen einen dritten Preis im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Sie erforschten die Geschichte behinderter Kinder aus den Alsterdorfer Anstalten.

Das Nationalsozialistische Terrorregime ermordete gezielt Behinderte, Erwachsene sowie Kinder. Auch aus den Alsterdorfer Anstalten wurden Pfleglinge in den Tod geschickt. Swantje und Ruben wollten mehr über deren Schicksal erfahren. Sie wurden bei ihrer Forschungsarbeit regelmäßige Besucher im Staatsarchiv. Dor untersuchten sie das Schicksal der über dreihundert Kinder, die von Hamburg aus in Tötungsanstalten transportiert wurden. Sie erstellten ein genaues Verzeichnis der Opfer. Sie nahmen Kontakt mit Historikern und Ärzten auf, um mehr über die Hintergründe der Untaten zu erfahren. Die Geschichtswissenschaftlerin Dr. Johanna Meyer-Lenz begleitete das Projekt in etlichen Gesprächen.
Ruben hat während der Forschungsarbeit sogar ein Praktikum in den Alsterdorfer Anstalten gemacht, um sich die Arbeit mit Pfleglingen mit Assistenzbedarf heute anzuschauen und um herauszufinden, wie die Vergangenheit in den Alsterdorfer Anstalten heute aufgearbeitet wird. Er wurde sehr offen informiert.

Doch nicht nur die Geschichte des NS-Verbrechens interessierte Ruben und Swantje. Vor allem beschäftigten sie sich mit der Aufarbeitung. Erst in den sechziger Jahren wurden die Hauptverantwortlichen vor Gericht gestellt: Pastor Struve und Oberregierungsdirektor Lensch. Beide Verfahren wurden so gelenkt, dass es nicht zu einer Verurteilung kam. Die Schüler sprachen mit dem damaligen Hauptankläger, Dietrich Kuhlbrodt. Die Zeitzeugenarbeit mit ihm deckte neue Aspekte der Vertuschung auf. Das Verfahren gegen die beiden Haupttäter wurde verschleppt, Akten verlegt und schließendlich wurde der Prozess ergebnislos eingestellt.
Die Schüler untersuchten die magere Rezeption der Presse auf diese Prozesse und konnten so die noch in die siebziger Jahre hineinreichende Verdrängung von NS-Verbrechen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit an diesem Beispiel präzise beschreiben. In keinem der über sechzig Presseartikel aus Hamburger Publikationen während des Verfahrens und danach spielte das Leid der Opfer eine relevante Rolle.

Die Schüler verfassten eine klassische historische Abhandlung, die allen wissenschaftlichen Maßstäben gerecht wurde. Sie konnten sie Anfang November schon vor dem Verein für Hamburgische Geschichte vorstellen und erregten dabei großes Interesse.

Schlussendlich ist der dritte Preis auf Bundesebene, bei mehr als 1000 eingesendeten Geschichtsprojekten, ein großartiger Erfolg. Herzlichen Glückwunsch, Swantje und Ruben.